Cowerk: Wertschöpfung

Modul 1 - Wertschöpfung

Ausgangslage

Aktuelle Forschungsbeiträge adressieren die Frage, wie „Wertschöpfungsketten“ und „Produktionspartnerschaften“ auf die Bedingung von Wissensökonomie und Kreativwirtschaft zu überführen sind (siehe exemplarisch Lange, Bürkner 2013 und Lange, Bürkner, Schüssler 2013). Wissensproduktion sowie neue Kleinserienproduktionen vollziehen sich immer eindrücklicher in hybriden Netzwerken von Laien-Nutzern-Gemeinschaften sowie Experten-Produzenten-Netzwerken. Seit 2 – 3 Jahren ist ein weltweiter Trend zur Rückkehr von Teilen der Produktionskette an neue Orte zu erkennen, die hier exemplarisch als Typ „Werkstätten“ eingeführt werden und sich durch ein neues Verhältnis zu Produktionsmittel und (Wissens-)ressourcen auszeichnen. Diese sozialen wie produktiven Orte verweisen auf die gestiegene Bedeutung von sozialen Kontexten, in denen Produktion und Distribution in neuen Akteurskonstellationen verhandelt und erprobt werden.


Ziele

Sorgfältige empirische Rekonstruktionen der neuen Wertschöpfungskonfigurationen (ein Begriff, der die multiple Anordnung der wertschöpfenden Schritte treffender fassen soll) und ihrer Fortentwicklung stellen daher eine vordringliche Aufgabe dar, um neue Produktionsprozesse zu verstehen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, inwiefern aufgrund qualitativ veränderter Produktionsbedingungen (sozial, technologisch, ökologisch) derzeit neue Varianten von Wertschöpfungskonfigurationen entstehen sowie welche Veränderungsdynamiken und –kontingenzen sie zeigen.


Vorgehensweise und Methode

Im Rahmen eines Mappings werden in den vier Feldern exemplarische Netzwerkstrukturen identifiziert und typologisiert. Die Methode „Mapping“ beschreibt die Wertschöpfungsstufen, die Identifizierung von Kapitalsorten und deren Verhandlungen in offenen Netzwerken. In den vier Feldern (Makerspaces/Mobilität und Bikekitchen/Kleiderwerkstatt/Temporäre Interventionen) werden Interviews (N=100) durchgeführt und Feldprotokolle erstellt. Eine Typisierung ermöglicht es, Wertschöpfungskonfigurationen in diesen vier identifizierten Handlungsfeldern auszuweisen und die sozial unterschiedlich organisierten Formen von Mobilisierung (von Arbeitskraft, Netzwerken und Ressourcen) nachzuvollziehen.


Erwartete Ergebnisse

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Verflechtung sozialer, kultureller und ökonomischer Praktiken in diesem Handlungsfeld bringt praxisbezogene Hinweise auf die Organisation von produktionsbezogenen Kontexten und Netzwerken zu Tage. Daraus lassen sich Handlungsregeln und Verfahrensweisen sowie die Beziehungen zwischen den und die Kompetenzen der teilnehmenden Akteure darstellen.
Daraus können Schlussfolgerungen für die Frage der Steuerung neuer lokal-regionaler Produktionsprozesse und der politischen Unterstützung für ihre Akteure getroffen werden. Dies kann Politik, Governance und intermediäre Institutionen in die Lage versetzen, sich kenntnisreich, zielgruppengerecht und stabilisierend zu den neuen sozio-ökonomischen Strukturen in Beziehung zu setzen.

 

Quelle:

Lange, Bastian/Bürkner, Hans-Joachim (2013): Value-creation in the creative economy - The case of electronic club music in Germany. In: Economic geography 82, Vol. 2. 149–169

Lange, Bastian/Bürkner, Hans-Joachim/ Schüßler, Elke (Hrsg.) (2013): Akustisches Kapital. Wertschöpfung in der Musikwirtschaft. Transcript, Bielefeld.