Innovative Citizen 2015: Cowerk-Symposium diskutiert neue urbane Produktion

Innovative Citizen 2015: Cowerk-Symposium diskutiert neue urbane Produktion

Wohnen und Produzieren haben sich in den vergangenen Jahrhunderten weit voneinander entfernt. Während das Wohnen hermetischer und einsamer wurde, wuchs die Produktion in neue Dimensionen und die Wertschöpfungsschritte verteilten sich zunehmend auf globale Akteure. Eine Entfremdung der Menschen von den Dingen, ein immenser Material- und Ressourcenverbrauch im globalen Maßstab und eine zunehmende systemische Instabilität der Wirtschaftssysteme sind viel diskutierte Folgen. Kommt jetzt ein Rollback? Zu dieser Frage und zu ersten Ausformungen neuer urbaner Produktion organisierten Wissenschaftler des Forschungsverbunds Cowerk aus dem Fraunhofer UMSICHT und dem IÖW am 17. September 2015 im Rahmen der Innovative Citizen 2015 Konferenz im Dortmunder U das Minisymposium „Produktion in der Stadt – Lokal und Nachhaltig?“.

Urban Farming, Fablabs und Techshops oder Lastenfahrräder als alternatives Nahtransportkonzept sind solche ersten Konzepte für neue urbane Produktion. Wie diese in Zukunft allerdings ausgestaltet sein sollte, um wirklich ökonomisch, sozial und ökologisch nachhaltig zu werden und welche Akteure diesen Wandel am besten vorantreiben, muss erst noch untersucht werden.

Entstehen in den Städten neue „unsichtbare Fabriken“?

Dr. Bastian Lange (Multiplicities, Berlin) präsentierte auf dem Symposium zehn Thesen zur urbanen Produktion und betonte dabei insbesondere Aspekte der Co-Produktion und Kollaboration. Tom Hansing (anstiftung, München; Verbund Offener Werkstätten) beschrieb offene Werkstätten als „unsichtbare Fabriken“ und machte auf den gesellschaftlichen Wert der Eigenarbeit aufmerksam: „Eine Abkehr von der Wegwerfgesellschaft und eine Hinwendung zu neuem, menschlichem Austausch – darin liegt das größte Potenzial von Bürgern und Städten“, so Hansing. Lars Zimmermann (OpenIt Agency, Berlin) zeigte Parallelen zwischen Open Source und Kreislaufwirtschaft auf und vertrat die These, dass Kreislaufwirtschaft ein mögliches Ziel für offene Produktion in der Stadt sein kann. Als vierter Sprecher verdeutlichte Joachim Lentes (Fraunhofer IAO, Stuttgart), dass urbane Produktion durchaus auch aus Industriesicht interessant sein kann.

Im Anschluss an die Vorträge wurde auf dem Podium und mit dem Publikum diskutiert, welche Relevanz offene Produktion in der Stadt haben kann und welche Reibungs- und Verknüpfungspunkte zwischen offener und geschlossener Produktion, zwischen „Commoning“ und Verwertungsinteressen bestehen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Arno Simons (IÖW) und Jürgen Bertling (Fraunhofer UMSICHT).

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